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Unter Makro- (oder Macro-) Fotografie versteht man das Abbilden von kleinen Objekten in einem Maßstab, der das Objekt auf dem Negativ (Bild) groß, eventuell auch vergrößert wiedergibt.
Inhalt: Grundlagen Zwischenringe Balgengerät Nahlinsen Umkehrringe Makro-Objektive Belichtung Tabelle
Grundlagen: Die Abbildungsgröße eines Gegenstandes auf dem Film ist abhängig von der Brennweite des Objektivs und dem
Abstand Film -> Objektiv -> Gegenstand (unter Objektiv ist hier die optische "Mitte" des Linsensystems zu verstehen)Dabei gilt folgende Gestzmäßigkeit:
Bild 1: Hier sind Abstand Film -> Objektiv (Bildweite)
und Abstand Objektiv-> Gegenstand (Gegenstandsweite) gleich groß.
Der Gegenstand ist auf dem Film ist in natürlicher Größe abgbildet.
Abbildungsmaßstab: 1:1
Bild 2: Hier ist der Abstand Film -> Objektiv (Bildweite)
doppelt so groß,
wie derAbstand Objektiv-> Gegenstand (Gegenstandsweite).
Der Gegenstand ist auf dem Film ist in doppelter Größe abgbildet.
Abbildungsmaßstab: 2:1
Bild 2: Hier ist der Abstand Film -> Objektiv (Bildweite)
halb so groß, wie derAbstand Objektiv-> Gegenstand (Gegenstandsweite).
Der Gegenstand ist auf dem Film ist in halber Größe abgbildet.
Abbildungsmaßstab: 1:2 (1/2)
So, lieber Fotofreund, nimm mal Deine KB-Spiegelreflexkamera mit dem 50er Normalobjektiv oder dem Zoom (eingestellt auf 50 mm), lege eine Briefmarke auf den Tisch (um diese im Maßstab 1 : 1 auf dem Film abzubilden) und halte das Kamera-Objektiv ca. 50 mm (5 cm) über die Briefmarke. Schau durch den Sucher: ist die Breifmarke scharf einzustellen? Nein?
Natürlich nicht, denn die Naheinstellgrenze liegt, je nach Objektiv unterschiedlich, etwa bei 50 cm (also dem 10-fachen des gewünschten!). Du hast ein "Makro-Zoom", etwa 35-80 mm? Dann ist meist eine Skala vorhanden, die den Makro-Maßstab angibt. Welcher ist der größte? 1:4 ? Also auch das reicht nicht, um den gewünschten Maßstab einzustellen.
Also brauchen wir "Hilfsmittel", die uns das ermöglichen.
Makro-Zubehör
Zwischenringe werden zwischen den Kamera-körper (Body) und das Objektiv eingefügt, je nach Verbindung entweder geschraubt oder mit Bajonettanschluß. Es gibt sie in verschiedenen Längen und für fast alle Anschlüsse.
Zwischenringe verändern (vergrößern) also die Bildweite. Um einen Abbildungsmaßstab von 1 : 1 zu erhalten, muß der Objektiv-Abstand von der Filmebene um das einfache seiner Brennweite verlängert werden.
Wir stellen also für ein 50-mm-Objektiv ein:Bildweite=100 mm, Gegenstandsweite= 100 mm (=Gesamtweite= 200 mm)
und verwenden dazu einen Zwischenring von 50 mm Länge.
Die Zusammenhänge werden weiter unten in einer Tabelle angezeigt.
Balgengeräte erfüllen den gleichen Zweck und haben die gleiche Funktion wie Zwischenringe, erlauben jedoch eine kontinuierliche Auszugsverlängerung in bestimmten typbedingten Grenzen. Oft sind diese noch mit einem Einstellschlitten versehen, mit dessen Hilfe die Entfernung Kamerasystem -> Gegenstand verändert werden und so eine bessere Feineinstellung erzielt werden kann.
Nahlinsen werden vor das angesetzte Objektiv (in das Filtergewinde) geschraubt und verändern die Brennweite des Systems.
Je nach Dioptien-Zahl der Nahlinse ist es möglich mehr oder weniger weit an den Gegenstand heranzugehen und so den Abbildungsmaßstab zu verändern. Gute Nahlinsen sollten Anastigmate sein, da diese besser gegen Abbildungsfehler korrigiert sind.Mit Hilfe von Umkehrringen ist es möglich, das Standard-Objektiv mit dem Filtergewinde an die Kamera anzuschließen. Dadurch wird eine weitere Auszugsverlängerung geschaffen und ein größerer Abbildungsmaßstab ermöglicht. Weiterer Vorteil: Da normale Objektive so gerechnet sind, daß die besten Abbildungseigenschaften für kurze Bildweite und lange Gegenstandsweite erreicht werden, wird bei der Umkehr eine bessere Qualität der Makro-Aufnahmen erreicht. Wenn möglich, sollte also auch bei Verwendung von Zwischenringen oder Balgengerät das Objektiv in "Retrostellung" (also umgekehrt) verwendet werden.
Wenn man schon eine Spiegelreflexkamera mit dernMöglichkeiten der Wechselobjektive hat, dann könnte man ja auch Spezial-Objektive für die Makro-Fotografie verwenden. Und in der Tat: solche Objektive gibt es natürlich.
Üblicherweise gibt es solche Objektive mit 50mm, (um die) 100mm oder längerer Brennweite (auch Zoom-Objektive). Sie zeichnen sich dadurch aus, daß sie eine erweiterte Naheinstellung haben (bis zum Maßsstab 1:2 oder gar 1:1) Noch größere Maßstabe ergeben sich duch kombienierten Einsatz mit Zwischenringen / Balgengeräten / Nahlinsen. Diese Objektive sind auf eine größere Bildweite bei geringerer Gegenstandsweite optimiert.
Welches System ist zu empfehlen?
Verfahren Vorteile Nachteile Zwischenringe preiswerteste Möglichkeit Lichtverlust durch die Auszugsverlängerung, nur stufenweise Variation möglich Balgengerät (fast) beliebige Variation der Auszugsverlängerung Lichtverlust durch die Auszugsverlängerung Nahlinsen kein Lichtverlust, einfach zu handhaben für jeden Maßstab eine eigene Linse erforderlich Makro-Objektive stufenlose Entfernungseinstellung bis 1:2 oder gar 1:1, in diesem Bereich kein Lichtverlust und optimierte Linsenkorrektur (teuer!) Die Experten streiten sich, welche Möglichkeit die beste ist, aber "wir" Nicht-Profis werden den Unterschied in der Qualität der Bilder kaum feststellen Damit auch bei Makro-Aufnahmen der Film die richtige Lichtmenge erhält, muß diese ermittelt werden.
Hat die Kamera (moderne Spiegelreflexkameras) eine TTL-Belichtungsmessung, so arbeitet diese auch in allen Makro-Verfahren.
Es kann aber sein, daß (bei älteren Modellen) der Meßumfang der Kamera nicht ausreicht. In diesem Falle muß, wie bei Kameras ohne eigenes Meßsystem, der Belichtungsmesser bemüht werden. Die ermittelten Werte müssen aber, je nach Auszugsverlängerung, korrigiert (Zeit verlängern!) werden. Die nachfolgende Tabelle gibt hierüber in der letzten Spalte Auskunft. Die gemessene Zeit ist mit dem dort abgelesenen Faktor zu multiplizieren.
Quelle: Broschüre "Nahaufnahmen, Mikroaufnahmen, Stereoaufnahmen" IHAGEE KAMEERAWERK DRESDEN, 1962
Stand: 06.01.2002