Videoschnitt für Amateure
Erfahrungen, Irrungen und Fehlinvestitionen eines Amateurs
Seit der Erstellung dieser Seite sind so viele technische Neuerungen auf den Markt gekommen, daß die technischen Angaben und Preise nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen. Dennoch lasse ich diese Seite im Netz, da so deutlich wird, wie schnell die Dinge ihre Aktualität verlieren! (Ergänzt am 24.04.2000)

Im April 2003 habe ich die Kommentare ganz rechts hinzugefügt, da sich doch wesentliche Äanderungen ergeben haben
 
  1. Was ist ein "Videofilm" ?
  2. Welche Geräte brauche ich dazu ?
  3. Wie schneide ich heute ?
  4. Fazit oder meine Erfahrungen und Empfehlungen

Fassung 1998


1. Was ist ein Videofilm?

In einem Foto-Album finden sich die Urlaubs-und Familienfotos hoffentlich nicht wahllos hintereinander, sondern nach Themen, Anlässen o.ä. geordnet.

Nicht anders ist es beim Videofilm. Wir haben einzelne Scenen gedreht, mal bei der Party, mal von unserer flotten Tochter beim Fußballspielen oder unserem Sohn, der so süß mit der Puppe umgeht.

Nun müssen diese einzelnen Scenen in bestimmter Folge auf ein normales VHS-Videoband übertragen werden. Dabei sind sie neu zu ordnen, denn leider sind sie in völlig beliebiger Reihenfolge auf unserm Hi8 oder S-VHS-C Band aus dem Camcorder.

Der Ton ist durch Laufgeräusche des Camcorders unangenehm gestört, und bei unserem Kommentar haben wir uns auch noch versprochen.

Auch wenn das alles nicht so schlimm wäre, auf dem Band für den Videorecorder soll ja auch noch ein Titel vorhanden sein, damit man später noch weiß, wann und wo das eigentlich aufgenommen wurde.

Ein Videofilm ist also eine geordnete Folge von inhaltlich zusammenpassenden Einzelscenen, mit einem Titel-Vorspann und interessanten Scenen-Übergängen, möglichst mit Musik und passenden Geräuschen und Kommentaren unterlegt, und wird von den lieben Verwandten mit Beifall bedacht!


Kommentar April 2003









Heute wird es wohl eher eine VCD oder SVCD als Ziel sein., die mit vielen DVD-Spielern abzuspielen ist.


2. Welche Geräte brauche ich dazu?

Nun, den Camcorder haben wir ja schon. Wenn wir einen Videofilm machen wollen und nicht nur einzelne Scenen direkt vom Camcorder am Fernseher ausgeben wollen, sollte dieser bereits gewisse Mindestanforderungen erfüllen:

Meiner Meinung nach wichtig:

  • Es sollte ein Hi-Band Camcorder sein (also HI8 oder S-VHS C)
  • Er sollte eine separate Micro-Buchse haben, dann stört kein Laufgeräusch den O-Ton
  • Je nach künftigem Schnittverfahren sollte er einen Timecode (jedes Bild wird auf dem Videoband einzeln numeriert) generieren. Das ist bei VHS der "VITC" und bei (HI)8-Bandern der RTC.

Ferner brauchen wir einen Videorecorder, der den fertigen Film aufnehmen soll.

Dieser muß keine Mindestanforderungen erfüllen, denn "Assemble-Schnitt" können heute wohl alle, so daß man Scene für Scene direkt vom Camcorder auf den Videorecorder überspielen kann (meist über SCART-Kabel).

Für manche Schnittverfahren empfiehlt es sich, mindestens 2 Videorecorder zu verwenden! (Zuspielung über 2. und 3. VCR ohne Verwendung des Camcorders)

Für anspruchsvolleren Schnitt sollte der Aufnahme-Videorecorder jedoch folgende Möglichkeiten bieten:

  • Insert-Schnitt (Einfügen von Scenen in der bestehenden Film)
  • Nachvertonung (Audio-In Buchsen und Aussteuerung der Audio-Eingangs), möglich auch mit Misch-Möglichkeit von O-Ton und Kommentar bzw. Musik
  • Einen weiteren Video-Eingang (S-VHS, Video-Composite oder 2. bzw.3. SCART)
  • Manche Geräte haben bereits ein eingebautes Schnittpult (Panasonic, Sony), mindestens sollte aber eine Schnittsteuerungsbuchse (5 bzw. 11-polig bei Panasonic, Klinke bei Sony) vorhanden sein (außer bei PC-Schnitt).
  • PS: Für Schnitt am PC kann ein einziger einfacher Videorecorder genügen.

Entscheidend für den komfortablen und anspruchsvollen Schnitt ist jedoch das

Schnittgerät, das im Idealfall den komplett vorbereiteten Film in einem Durchgang auf das VHS-Band überspielt.

Hier gibt es verschiedene Gerätetypen auf dem Markt:

  • Einfache Schnittgeräte, die zwischen Camcorder und Videorecorder geschaltet werden, und so eine Scene nach der anderen auf das VHS-Band spielen, wobei sie den VCR und den Camcorder über Infrarot oder Steuerbuchse steuern.
  • Komfortablere Geräte, die zu überspielende Scenen speichern und dann in neuer Reihenfolge auf das VHS-Band spielen, teilweise mit Titelgeneratoren (oft jedoch nur Klötzchen-Text!), auch mit einfachen programmierbaren Scenen-Übergängen. Im Idealfall ist ein Timecode-Generator vorhanden, entweder für den RTC (SONY) oder auch für VITC und evtl. andere.
  • Verschiedene PC-Programme, teilweise mit Hardware zur Steuerung der Aufnahme- und Wiedergabegeräte.
  • In den VCR integrierte Schnittsteuerungen für mehrere Scenen.
  • Zubehör wie Titelgeneratoren der komfortableren Art (auch Untertitel); Videomischer, die Überblendungen erlauben.










Heut wird wohl eher ein Digitaler Camcorder angeschafft werden, wobei meines Wissens nur höherwertige Geräte einen Timecode (SMPTE) unterstützen.
Beim Computerschnitt (Non-Linear-Editing) ist ein Timecode-Signal eher entbehrlich.




Ein Zuspieler und der PC reichen.















Überspielen des geschnittenen Films ist über z.B. Win.- Media-Player, Real-Player oder Power-DVD über den TV-out-Anschluß der Grafikkarte möglich.






3. Wie schneide ich heute?

Zunächst die Vorgeschichte:

Mein erster Camcorder war ein Mitsubishi S-VHS-C Gerät. Die Folge von zufälligen Scenen aus dem Urlaub wurde "as is" direkt auf den VCR überspielt, nur mißlungene Bilder wurden übersprungen. Mühsam das wiederholte Stoppen und Aufnehmhmen, nächste Scene suchen, wieder starten usw.

Auf der Suche nach einem geeigneten Schnittgerät (was eigentlich keines war!!) erwarb ich den wirklich tollen Grundig VCR GV 280S, der vielfältige Möglichkeiten aufweist: Titelerzeugung, verschiedene Überblendungen, Spezialeffekte. Aber als Zuspieler benötigte ich nun für die Überblendungen einen zweiten VCR: Zuspieler 1 = Camcorder, Zuspieler 2 = VCR2 (mit Adapter-Kassette).

Bald mußte ein richtiges Schnittpult her! Ich fand das GSE MPE-200SX. Das war schon prima, aber wurde ohne Timecode auf dem Original doch bei vielen Einzelscenen sehr ungenau!

Also erwarb ich eines der letzten Modelle des Camcorders Panasonic NV-S7EG zum Preis von DM 1600,-- . Nun hatte ich zudem die Möglichkeit, gleichzeitig parallele Aufnahmen zu machen: Totale mit der NV-S7 und Ausschnitte mit der Mitsubishi, die nachher im Insert-Schnitt in den mit dem GSE fertiggestellten Film eingefügt wurden.

Die Arbeit mit dem GSE-MP200SX machte richtig Spaß, mühsam war es nur, raffinierte Scenenübergänge erst auf dem Grundig-VCR zu erstellen und dann diese in die Schnittliste des GSE einzufügen, es waren teilweise 3-4 Bänder nacheinander in den Zuspieler einzulegen.

So geht es heute:

Ein Pentium 200MMX-PC mit eingebauter FAST-AV-Master-Karte ist fest über S-VHS-(Hosiden-)stecker mit dem Grundig GV 280S verbunden. Die einzelnen Scenen werden (ungefähr zugeschnitten) aus dem VCR mit "FASTCAP" (mitgelieferte Fast-Software) in den PC überspielt und benannt. Erforderlicher Festplatten-Speicher-Bedarf etwa 2 MB je Sekunde Film (Kompression 1:10, d. h. etwa S-VHS-Qualität), also etwa 1,2 GB für 10 Minuten. Also: Große Festplatte erforderlich, die ca. 5 MB/sek sequentiell schreiben und lesen sollte.

Jetzt Ulead Media Studio Pro 5 starten und die aufgenommenen Scenen auf der "Time-Line" ordnen, Länge richtig zuschneiden, Übergänge festlegen, einen Titel erstellen mit einem entsprechenden Programm, diesen einfügen und ... "Video erstellen" anklicken. Am anderen Morgen (die tatsächliche Dauer ist stark von den verwendeten Übergangseffekten und sonstigen Veränderungen der Bilder abhängig) ist der Film fertig und braucht nur über FASTCAP auf den VCR gespielt zu werden.

Weitere Kopien können nun mit der gleichen Qualität mehrmals vom PC auf ein Videoband überspielt werden.




























Dem 200er Pentium ist inzwischen ein AMD 2600 gefolgt, mit allen Konsequenzen der besseren Möglichkeiten.  Speicher-Platz ist auf modernen großen Festplatten kein Problem mehr. Die AV-Master-Karte wurde duch eine ADVC-1394 von Canopus ersetzt, die digitale und analoge Videos in den PC bringt.

Ulead Media-Studio liegt inzwischen in der Version 7 vor und unterstützt auch DVD / VCD / SVCD - Produktion


Qualitätsverluste, sofern sie nicht  im analogen Material durch Kopien mit den bekannten VHS-Farbverschiebungen durch den Zeilenversatz um 1-2 Zeilen bereits vorhanden sind, treten bei der digitalen Bearbeitung nicht mehr auf (von geringen Kompressionsverlusten je nach Kompression-Codec abgesehen).

4. Fazit oder meine Erfahrungen und Empfehlungen

Sicher gibt es heute noch besssere Möglichkeiten. Z. B. die FAST-DV-Master-Karte, die ohne jeden Qualitätsverlust nach der Bearbeitung den Film wieder auf digitale Kassette ausgibt. Aber dann braucht man noch den digitalen VCR, die Digital-Video-Kamera und ist bald weitere 10.000 DM oder mehr los!!

Oder: es gibt Komplett-Schnitt-Systeme (z.B. Casablanca, mit eigener Festplatte, kein PC erforderlich) und weitere professionelle Möglichkeiten.

Nach meinen Erfahrungen und meinen Ansprüchen an gute Amateurqualität ist mein vorhandenes System bestens geeignet für jeden Video-Amateur!




Siehe hierzu die Anmerkungen oben.






Dieser Satz gilt denn nun für mein neues System.


maximale Kosten:

PC: ohnehin vorhanden
(Preise 1998 in DM)
Kosten 2003
Preise in EURO
große Festplatte zusätzlich  1000,00 (80-120 GB im PC vorhanden)
AV-Master 1500,00 ADVC 1394: ca. 400,00
Schnittprogramm 1200,00 ("bundled" mit Schnittkarte)
Camcorder 2000,00 ab 1000,00
VCR vorhanden (oder DVD-Player)
Summe  3700,00







Aktualisiert am 07.04.2003